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Terra Nigra-Flasche aus Köln (Nordrhein-Westfalen)
Objektbezeichnung:Flasche
Herstellungsort:
Köln

Herstellungsdatum:1 - 50
Maße:Gesamt: Höhe: 15,5 cm; Durchmesser: 7,7 cm (Mündung); Durchmesser: 7 cm (Boden)
Material:Keramik (sehr fein gemagert)
Technik:gebrannt (reduzierend klingend hart gebrannt, im Kern hellgraue Färbung (Farbe: anthrazitgrau bis schwarz) Oberfläche: sorgfältig geglättet und poliert, Verzierung:umlaufender Zierstreifen aus senkrechten Linienim Kern hellgraue Färbung (Farbe: anthrazitgrau bis sc)
Stil:Römische Antike
Die Terra Nigra-Flasche mit nach außen gebogenem facettierten Rand stammt aus dem römischen Köln. Genauere Angaben in den Jenaer Ortsakten lassen sich nicht finden. Vermutlich kam das Objekt durch Ankauf Ende des 19./Anfang des 20. Jhds. in den Besitz des damaligen Germanischen Museums.
Bei dem Begriff Terra Nigra handelt sich um ein wissenschaftliches Kunstwort und keinen historisch verbürgten Begriff, was für die wesentlich bekanntere Terra Sigillata (TS) in gleichem Maße gilt. Innerhalb der wissenschaftlichen Diskussion wird diese Art der Terra Nigra Keramik als "Belgische Ware" bezeichnet. Es wurde wiederholt darauf hingewiesen, dass dieser Begriff problematisch ist, da die Produktion in verschiedenen Gegenden Galliens erfolgte und nicht ausschließlich in der nordgallischen Provinz Belgica. Allerdings ermöglicht diese Definition eine Abgrenzung zur spätantik/völkerwanderungszeitlichen Terra Nigra. Die Gefäße sind alle sehr sorgfältig gefertigt und oft poliert. Sie werden entweder händisch aufgebaut oder auf der Töpferscheibe hergestellt. Der zumeist verwendete blauschwarze, hellgraue oder grauschwarze Ton wird im Ofen von einer Schmauchschicht überzogen, die durch das Zuführen von Rauch während des Brennprozesses erreicht wird. Die abgebildete Flasche besitzt auf der Gefäßschulter einen umlaufenden Zierstreifen aus senkrechten Linien, der bei der Herstellung mittels eines Rollstempels in den feuchten Ton gedrückt wird. Die Gefäße der Belgischen Ware verdrängen die einheimischen spätlatènezeitlichen (jüngster Abschnitt der vorrömischen Eisenzeit) Gefäße ungemein schnell. Das sehr breite Formenspektrum, das auch regionale Muster und Formen einbezieht, dürfte sicherlich zur Beleibtheit dieser Gefäße beigetragen haben. Das abgebildete Stück offenbart eine Verbindung einheimischer und römischer Flaschenformen, die in diesem Fall sehr stark miteinander verzahnt sind.
Terra Nigra Geschirr ist aufgrund der sehr weitreichenden Distribution römischer Geschirrsätze auf großen Teilen des europäischen Kontinents und selbst in England zu finden. Gefäße der belgischen Ware sind v. a. in der 1. Hälfte des 1. Jhd. im Umlauf. Sie treten im 2. und 3. Jhd. AD noch selten in Erscheinung und werden anschließend von der Firnis-Ware als Trinkgeschirr abgelöst.
Die Reichweite der römischen Expansion und v.a. ihr kultureller Einfluss lässt sich hier ausschnitthaft beobachten, da sich aus dem schnellen, tiefgreifenden Wandel innerhalb der Formen- und Verzierungselemente auch ein Wandel innerhalb der lokalen Tischsitten hin zu denen römischer Prägung fassen lässt. Die rasch voranschreitende Romanisierung kann hier skizzenhaft an einer Objektgattung beobachtet werden, die stellvertretend für gesellschaftliche Wandlungsprozesse steht. - Eine Entwicklung, die mit dem Feldzug gegen die linksrheinisch siedelnden Gallier durch Gaius Iulius Cäsar (*100 ,†44 BC) im Herbst 58 BC, beginnt und im Wesentlichen mit den gescheiterten Germanien-Feldzügen unter Tiberius (14-37 AD) ein Ende findet. Einen kulturellen Austausch zwischen den römischen Provinzen und dem später als Germania Magna bezeichneten Gebiet hat es, gerade in den Grenzregionen, in einem beträchtlichen Umfang gegeben.

Michael Marchert M. A.

Inventarnummer: 19654


Abbildungsrechte: FSU Jena: Sammlung Ur- und Frühgeschichte