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„Frauen und Bachs Musik“

Ab dem: 27.04.2018
Bis zum: 04.11.2018
Veranstalter:Bachhaus Eisenach
AnschriftFrauenplan 21
99817 Eisenach
Link zum Museum : http://www.bach[..]
Die neue Sonderausstellung „Frauen und Bachs Musik“ im Bachhaus Eisenach schlägt am Beispiel von neun Frauen-Persönlichkeiten einen Bogen vom sich wandelnden Frauenbild in der Bach-Zeit über die Bach-Pflege im Kreis um Prinzessin Anna Amalie von Preußen und in den Berliner Salons um 1800 bis zum Einfluss früher Bach-Interpretinnen auf heutige Hörgewohnheiten. Zur Bach-Zeit (1685–1750) begannen Frauen, sich aus der ihnen zugedachten Rolle von „Gehülfinnen“ ihrer Ehemänner zu emanzipieren.

Die Ausstellung illustriert das am Beispiel von Bachs zweiter Ehefrau Anna Magdalena, die als fürstliche Sängerin in Köthen engagiert war, der Dichterin Christiane Mariane von Ziegler, kaiserliche „poeta laureata“, welche die Texte zu neun Kirchenkantaten Bachs verfasste, der Übersetzerin und Philosophin Luise Adelgunde Victorie Gottsched, die in Leipzig Kompositionsunterricht bei Bachs bestem Schüler nahm und bei Bach-Aufführungen mitgewirkt haben soll, und der mit den Bachs befreundeten Opern-Diva Faustina Hasse.

Des weiteren widmet sich die Ausstellung fünf Frauen, die an der Bewahrung,
Wiederentdeckung und Rezeption von Bachs Musik maßgeblich beteiligt waren: Die komponierende Prinzessin Anna Amalie von Preußen, Schwester Friedrichs des Großen, sammelte in ihrer Amalien-Bibliothek zahlreiche Bach-Handschriften, die sonst vielleicht verloren wären, darunter die h-Moll-Messe und die Brandenburgischen Konzerte. Sara Levy, die Tochter des Hofjuden Friedrichs des Großen Daniel Itzig, soll in ihrem vielbesuchten musikalisch-literarischen Salon in Berlin einen regelrechten „Bach-Kultus“ getrieben haben. Ihre Schwester Bella Salomon hatte Klavierunterricht von Bachs letztem Schüler Kirnberger erhalten und schenkte 1823 eine Abschrift von Bachs Matthäus-Passion ihrem Enkel Felix Mendelssohn – hieraus führte dieser 1829 das Werk in der Berliner Singakademie zum ersten Mal nach Bachs Tod wieder auf und läutete damit die „Bach-Renaissance“ ein. Fanny Hensel, die Schwester Felix Mendelssohns, war genauso Bach-begeistert wie er und war mit ihren Sonntagsmusiken in Berlin eine kaum weniger einflussreiche Bach-Vermittlerin – ihre eigenen Kompositionen blieben freilich lange unveröffentlicht. Die polnische Pianistin Wanda Landowska schließlich entdeckte 1896 das „Bach-Cembalo“ im Berliner Musikinstrumenten-Museum, begeisterte sich für dieses altertümliche Instrument und wurde weltweit erste Dozentin für Cembalo in Berlin. Sie setzte sich so unermüdlich für das damals fast vergessene Instrument ein, dass es heute zum Standard gehört, wo immer Bach erklingt.

Wie umstritten das neue Frauenbild war, zeigt eines der Ausstellungsstücke: der Erstdruck der Liedersammlung „Singende Muse an der Pleiße“ von 1736 mit dem darin enthaltenen Lied „Ihr Schönen, höret an“: Es ist ein derb-humorvoller Beitrag zur damaligen Diskussion um die Öffnung des Studiums für Frauen, zu dem der Leipziger Professor Gottsched den Text und Bach die Melodie beigesteuert haben sollen. Die Universitäten, heißt es, müssten „erröten, wenn Doris disputiert und Amor präsidiert“: „Ich sterbe vor Vergnügen, wenn ihr anstatt der Wiegen, euch den Catheder wählt, statt Kinder Bücher zählt.“ Beim Erscheinen muss es zu einem Skandal gekommen sein, denn die Seite wurde aus dem Buch geschnitten und eine andere mit einem unverfänglichen Lied eingeklebt. Neben dem Bachhaus in Eisenach besitzen nur die Universität der Künste (Berlin) und die British Library (London) unzensierte Exemplare.

Vorerst rätselhaft bleibt ein Gemälde einer unbezeichneten Pianistin aus der Mitte des 19. Jahrhunderts, welches das Bachhaus für diese Ausstellung erwarb und restaurieren ließ. Sie hält in ihren Händen offenbar – nur der Mittelteil des Komponisten-Namens ist sichtbar – Noten von Johann Sebastian Bach! Die Darstellung ähnelt bekannten Bildern Fanny Hensels, und wer wenn nicht sie, die ihren erstgeborenen Sohn nach ihren drei musikalischen Vorbildern „Felix Ludwig Sebastian“ nannte, könnte damals so verrückt gewesen sein, sich mit Bach-Noten portraitieren zu lassen? Die Kuratoren der Ausstellung hoffen, dass vielleicht jemand unter den Besuchern Auskünfte über die Herkunft dieses im Bestand eines aufgelösten Antiquariats aufgefundenen und sodann 2017 versteigerten Bilds geben kann.

Bild: Pianistin mit Noten wohl von J. S. Bach, Ölgemälde, Mitte 19. Jh.
Die Öffnungszeiten sind täglich von 10.00 - 18.00 Uhr. Führungen sind auch außerhalb der Öffnungszeiten buchbar.